Projektreise nach Georgien zum Thema „Inklusion in Bildungseinrichtungen“ GEORGIEN, TIFLIS, 11. - 16.10.2021

Das Solidaritätsprinzip gilt unter SoziologInnen und PhilosophInnen als das höchste universelle Prinzip. Es beruht auf der sogenannten „kollektiven Idee“. Dass diese Idee tief in der Gesellschaft verankert ist, sieht man daran, welch große Rolle sie im öffentlichen Leben und in der öffentlichen Wahrnehmung spielt. Durch die langjährige Arbeit von Menschen, die Informationen über kollektive Solidarität gesammelt, studiert, analysiert und an folgende Generationen weitergegeben haben, ist das Solidaritätsprinzip mittlerweile ein Grundstein vieler Gesellschaften geworden.

Auch die Idee der Inklusion wird immer mehr zu einem Grundprinzip für die ukrainische Gesellschaft. SpezialistInnen unterschiedlicher Fachrichtungen tragen dazu bei, gesellschaftliche Ausgrenzung und Diskriminierung zu vermindern. Entscheidend dabei ist der Austausch von Best-Practice-Beispielen. Aus diesem Grund reisten VertreterInnen der Ukraine Universität und des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Ukraine im Oktober nach Tiflis, um dort ihre Erfahrungen mit georgischen ExpertInnen zu teilen.

Im Rahmen der Informationsreise fanden Treffen mit VertreterInnen von Hochschuleinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft Georgiens statt. Dabei konnten sich die Teilnehmenden in vertrauter Atmosphäre darüber unterhalten, wie inklusive Bildungsräume geschaffen werden können. Vor allem die Treffen mit Esma Gumberidze, Vertreterin des Rates der Menschen mit Behinderung des Bürgermeisters von Tiflis, David Bibilashvili, Aktivist des Studierendenrats, sowie Maia Bagrationi, Strategieentwicklerin für inklusive Bildung bei MAC GEORGIA boten wertvolle Einblicke in den Inklusionsprozess in Georgien.

Mit Zviad Atabagi, dem Direktor des Zentrums für die Entwicklung der euro-asiatischen Bildung (EAGG Center) sprach die ukrainische Delegation über Möglichkeiten zur Verbesserung der Mobilität von Studierenden an der Ukraine Universität. Damit soll ein inklusiver und ökologischer Studierendenaustausch zwischen ukrainischen und georgischen Studierenden ermöglicht werden. In Gesprächen mit Katie Margalitadze, Rechtsanwältin und Expertin für inklusive Politik in Georgien, Kinder- und Frauenrechte und Rechte von Menschen mit Behinderung und Nodar Razmadze, Experte für inklusive Politik, wurden vielversprechende Ideen zur Überwindung von Barrieren im Bildungssystem entwickelt.

Bei einem Workshop an der National University of Georgia (SEU) konnten die ukrainischen HochschulvertreterInnen ihre Erfahrungen mit der Entwicklung eines inklusiven Bildungsprozesses teilen. Außerdem unterzeichneten beide Universitäten eine Kooperationsvereinbarung, die den Studierenden und Lehrkräften Zugang zu akademischen Mobilitätsprogrammen, sowie eine gemeinsame Teilnahme an internationalen Stipendien und Forschungsprojekten ermöglichen wird.

Beim Runden Tisch im Georgisch-Koreanischen Zentrum für Informationszugang tauschten sich die Teilnehmenden über die Entwicklung von Informationsangeboten für Sehbehinderte aus. Besonders im Fokus stand der Einsatz moderner Geräte für Sehbehinderte und Blinde bei Wahlgängen, zum Beispiel der "Sprachstift" (PenFriend, PenFriend Voice Labeling System).

Der Höhepunkt der Reise war das Treffen mit Nunu Mickiewicz, stellvertretende Ministerin für Bildung und Wissenschaft Georgiens und Zaza Maruashvili, Abteilungsleiter im Ministerium, bei dem die Erfahrungen beider Länder in der Entwicklung einer inklusiven Hochschulbildung diskutiert und Vorschläge für ähnliche Workshops für georgische Hochschulleitungen entgegengenommen wurden.

Bei dem Thema Inklusion geht es immer auch um die Frage, wie die Mehrheit in der Gesellschaft für das Thema sensibilisiert werden kann, um das Ausschließen von Minderheiten zu beenden. Durch die Projektreise konnten gute Beispiele aus der Ukraine zur Schaffung inklusiver Bildungsräume an Hochschulen an georgische ExpertInnen weitergegeben werden. Diese Zusammenarbeit zwischen ukrainischen und georgischen Universitäten und NGOs lässt hoffen, dass das Solidaritätsprinzip, Inklusion und damit auch die Achtung der Menschenwürde in beiden Ländern zukünftig noch stärker im Vordergrund stehen.

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